Nordinsel oder Südinsel zuerst? Wie die Jahreszeit die Route durch Neuseeland vorgibt

Wer eine Rundreise durch Neuseeland plant, legt meist zuerst die Reisedauer fest, dann die Orte, und ganz am Ende die Richtung. Dabei wäre die umgekehrte Reihenfolge klüger. Die Frage, ob man auf der Nordinsel oder der Südinsel beginnt, hängt weniger vom Geschmack ab als vom Kalender. Die beiden Inseln unterscheiden sich im Klima deutlich, die Jahreszeiten stehen zu Europa auf dem Kopf, und ein Land, das sich über viele Breitengrade erstreckt, belohnt es, wenn man in der richtigen Reihenfolge unterwegs ist.
Zwei Inseln, zwei Charaktere
Die Nordinsel ist die wärmere, dichter besiedelte Hälfte. Im Norden liegen die subtropischen Buchten und die historischen Orte des Northland, in der Mitte die Geothermie von Rotorua mit ihren dampfenden Quellen und Geysiren, dazu Weingärten und eine Māori-Kultur, die im Alltag sichtbar ist. Die Südinsel ist das Land der großen Landschaften: Berge, Gletscher, Fjorde wie der Milford Sound, Queenstown als Zentrum für alle, die es abenteuerlich mögen, und Wanderwege, die zu den bekanntesten der Welt zählen.
Die beiden Hälften ergänzen sich, und genau deshalb wollen die meisten Reisenden beide sehen. Vier Wochen gelten als Minimum dafür, und wer drei Nächte pro Etappe einplant, kommt mit weniger kaum aus. Die Frage ist also nicht, ob man beide Inseln bereist, sondern in welcher Reihenfolge.
Die Jahreszeiten stehen auf dem Kopf
Neuseeland reisen ist als Suchbegriff schnell eingetippt, aber die erste Frage danach sollte lauten, in welchem Monat man ankommt. Der neuseeländische Frühling dauert von September bis November, mit durchschnittlich 18 Grad und einer Blüte, die das ganze Land erfasst. Der Sommer von Dezember bis Februar bringt im Mittel 23 Grad, ist Hochsaison und an den bekannten Orten entsprechend voll. Der Herbst von März bis Mai liegt bei etwa 19 Grad und färbt die Wälder der Südinsel, der Winter von Juni bis August bei rund 14 Grad bringt Schnee in die Berge und eröffnet die Skisaison.
Für die Routenplanung ist das mehr als eine Hintergrundinformation. Wer im Frühling ankommt, trifft im Norden bereits auf angenehme Temperaturen, während in den Bergen der Südinsel noch Schnee auf den hohen Pässen und Wanderwegen liegen kann. Wer im Herbst reist, erlebt es umgekehrt: Der Süden ist zu Beginn der Reise noch mild genug für lange Wanderungen, während der Norden auch später im Jahr freundlich bleibt.
Welche Insel wann zuerst
Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel. Im Frühling beginnt man auf der Nordinsel und arbeitet sich nach Süden vor. Bis man Fiordland und die Alpen erreicht, sind die Wege frei und die Wasserfälle nach der Schneeschmelze besonders kräftig. Im Herbst dreht man die Richtung um: erst die Südinsel, solange die Tage lang und die Wanderwege offen sind, dann die Nordinsel, deren subtropischer Norden auch später im Jahr mild bleibt.
Im Sommer ist die Reihenfolge weniger wichtig, dafür die Unterkunft. Queenstown, der Milford Sound und die Küstenorte sind dann ausgebucht, und wer spät plant, richtet die Route nach dem, was noch frei ist. Im Winter schließlich reist man weniger der Route als dem Zweck nach: Rotorua und die Thermalquellen sind bei kühlem Wetter besonders angenehm, die Südinsel lockt mit Skigebieten, und die Straßen sind leer.
Die Zwischensaison als Geheimtipp
Frühling und Herbst haben einen Vorteil, der in keiner Klimatabelle steht. Es sind weniger Besucher unterwegs, und Gastgeber wie Guides haben mehr Zeit. Ein Abend auf einer Farm, an dem der Besitzer selbst am Tisch sitzt und erzählt, ist in der Hochsaison seltener als im Oktober oder April. Zum Wandern sind beide Übergangszeiten ideal, weil die Temperaturen moderat sind und die Landschaft entweder blüht oder sich färbt.
Mit dem Mietwagen statt dem Camper lässt sich das Tempo dabei besser steuern. Ein Auto erreicht kleine Straßen und abgelegene Unterkünfte, und drei Nächte an einem Ort werden zur Gewohnheit statt zur Ausnahme.
Die Entscheidung im Kalender treffen
Wer nach dem Stichwort beste reisezeit neuseeland sucht, findet bei TravelEssence eine Übersicht der vier Jahreszeiten mit ihren Eigenheiten. Die Beratung geht allerdings weiter als die Tabelle: Aus dem Reisemonat ergibt sich die Richtung, aus der Richtung die Reihenfolge der Etappen, und aus den Etappen die Unterkünfte, die neun bis zwölf Monate im Voraus am besten zu bekommen sind. Wer diese Kette in der richtigen Reihenfolge durchgeht, stellt am Ende fest, dass die Frage nach der ersten Insel sich fast von selbst beantwortet hat.

